02. Oktober 2025 - Die „Lange Nacht der Demokratie“ gab auf dem Heilbronner Marktplatz viele Denkanstöße. Zahlreiche Bürger gestalteten den Abend aktiv mit. Tanz, Slam-Poetry, Vorträgen, Musik, Stadtführung und Workshops – ein kreativer Abend voller Impulse und Begegnungen. Eine lebendige Bühne für gelebte Demokratie!
Mitmachaktion mit künstlerischem Ausdruck.
Am 2. Oktober verwandelte sich der Marktplatz und das Rathaus in eine lebendige Bühne für gelebte Demokratie! Bei der „Langen Nacht der Demokratie“ erwartete die Besucherinnen und Besucher ein abwechslungsreiches, inspirierendes und unterhaltsames Programm für Jung und Alt.
Mitglieder des Heilbronner Künstlerbundes modellierten Gesichter unserer Stadt. Jeder konnte Modell stehen!
Am Stand des Künstlerbundes wurden aus bereits portioniertem Ton, Köpfe modelliert. Dazu wurden Vorbeilaufende eingeladen, um sich den Künstlern für zehn Minuten gegenüber zu setzen. Während sie portraitiert wurden, kamen die Beteiligten ins Gespräch und hörten dem Gegenüber zu. Es ging darum, jemandem zehn Minuten zu schenken, aufmerksam zuzuhören und das Gesicht durch das Portraitieren wahrzunehmen.
Klaus Rensch, Vorsitzender des Künstlerbund Heilbronn e.V.:
»Der Stand war durchweg voll besetzt. Einige Male saßen nur Kreative am Tisch, z.B. wenn Kinder vorbeikamen. Die wollten dann lieber selbst tonen. Ich denke, die Aktion hat genau ihren Zweck erfüllt, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen. Eine Polin kam her, weil sie das Poster unserer Ausstellung Beziehungen in Slubice/Polen gesehen hatte. Sie wurde auch porträtiert und erzählte ihre Geschichte. Eine andere interessante Begegnung erlebte ich mit einer jungen Türkin, die seit 15 Jahren in Heilbronn lebt und aus ihrer Heimat Antalya heiratsmäßig nach Heilbronn zu ihrem türkischen Mann kam, der hier geboren und integriert ist. Sie klagte, jedes Volk bliebe doch unter sich. „Wenn ich in die Stadt komme, sehe ich keine Deutschen. Warum bleibt nicht jeder in seinem Land. Was soll diese Migration?“ Wenn ich aus Antalya käme, würde ich den Tausch nach Heilbronn auch in Frage stellen, tröstete ich sie.«
Alle Künstler kreierten zusammen ein Ensemble von 60 Köpfen. Diese werden zu einem Gesamtkunstwerk verarbeitet werden, welches dann im öffentlichen Raum zu sehen sein wird.
Herzlichen Dank an das gesamte Team „Gesichter Heilbronns“. Vor allem an Regine Weimar, die als Ideengeberin und Koordinatorin die Aktion erst möglich gemacht hat. Und natürlich allen Künstlerinnen und Künstlern: Claudia Böhm, Regine Weimar, Monika Huber-Felden, Kirsten Brunner, Christoff Röhm, Wendelin Wolf, Klaus Flachsbarth.
Artikel erschienen am 3.06.25 in der Rhein-Neckar Zeitung
„Beziehungen" lautete der Titel der Jahresausstellung des Künstlerbunds Heilbronn, die 2023 in der Galerie des Kunstvereins an der Allee zu sehen war. Als Reaktion auf die Pandemie mit eingeschränkten Kontaktmöglichkeiten kooperierten dabei jeweils zwei oder drei Kreative, um gemeinsame Arbeiten zu schaffen. Nun wanderte die zweisprachige Schau mit dem erweiterten Titel „Beziehungen - Relacje" in die Heilbronner Partnerstädte Frankfurt (Oder) und Słubice. In der Galerie B des Kunstvereins Frankfurt und der kommunalen Galerie Okno zeigen derzeit 24 Künstlerinnen und Künstler 14 Positionen und ein mosaikartiges Gemeinschaftswerk.
Für viele Beteiligte schlossen sich beim grenzüberschreitenden „Doppelpack“ viele Kreise. „Es ist gelebte Partnerstadtbeziehung“, erklärte Volkmar Köhler, einst Vorsitzender des Heilbronner Künstlerbunds, mittlerweile nach Brandenburg umgezogen und Vorsitzender des Frankfurter Kunstvereins. Anfang November werden die Frankfurter zum Gegenbesuch inklusive Ausstellung in der Galerie K 55 erwartet.
Wie aktuell der Ausstellungstitel bis heute ist, zeigte sich vor wenigen Tagen während des mehrtägigen Aufbaus der Ausstellungen. Als eine Art Hintergrundrauschen erlebte das vierköpfige Aufbau-Team um Künstlerbund-Vorsitzenden Klaus Rensch bereits während der morgendlichen Zeitungslektüre die Beziehungsüberschriften. Da suchte der frischgekürte Kanzler neue Beziehungen zu Polen, dort führten Dobrindts Grenzkontrollen umgehend zu einem Stau auf der blauen Brücke, die die einstige Dammvorstadt mit Frankfurt verbindet; sie ist der einzige deutsch-polnische Grenzübergang über die Oder weit und breit. Auch beim aktuellen Präsidentschaftswahlkampf in Polen geht es um die Frage der Beziehungen. Pro Europa oder gegen die Deutschen, lautet da die Gretchenfrage. Polnische Fernsehteams waren nicht nur an der Grenze, sie filmten auch die Spitzenkandidaten während des Besuchs der Grenzstadt sowie die gut besuchte Vernissage in der Galerie Okno.
Eine Premiere bildete diese Schau auch für die polnische Kuratorin Anna Panek-Kusz. Die Lichtbildnerin leitet seit Jahren nicht nur die Galerie, sondern auch einen regionalen Fotokunstkreis und zeigte sich erstaunt darüber, dass nun Gemälde und raumgreifende Installationen einzogen - mit und ohne elektronisches Innenleben. Als nicht zuletzt sprachlicher Brückenbauer fungierte Galerie-Mitarbeiter Tomek Fedyszyn, der mit großer Ruhe und Routine die Bilder an die Wände brachte. Während die Galerie Okno in einem pulsierenden städtischen Kulturzentrum aus dem letzten Jahrhundert residiert, liegt die Frankfurter Galerie B in einem der ältesten Gebäude der Stadt, einst ein mittelalterliches Hospiz. Folgerichtig verfügt sie über knarzende Holzstufen statt eines Aufzugs, über verwinkelte, Räume und generell über eine fantastisch kreative Dornröschen-Atmosphäre.
„Wir sind eine europäische Doppelstadt, und das war lange Zeit eine Selbstverständlichkeit im täglichen Zusammenleben“ betonte bei der Vernissage Milena Manns. Die Frankfurter Kulturdezernentin ist auch für Bürgerbeteiligung und Europa zuständig. Das Ausstellungsmotto sei hier „mehr als passend“, da es sogar eine Dreierpartnerschaft gebe - Schostka ist die ukrainische Partnerstadt der Polen.
Dass eine Partnerschaft von den Menschen gelebt werde, sei das Wichtigste, sagte die Rednerin vor etwa 70 Gästen. Vor rund 25 Jahren sang Tomasz Stefanski bei einem Heilbronner Stadtfest in einem Chor aus Słubice mit. Zwischenzeitlich ist er stellvertretender Bürgermeister und hoffte, beim Gegenbesuch im November mitkommen zu können - mit oder ohne Chor.
An die Künstlerbund-Ausstellung „Brennend“, 2016 in der Frankfurter Marienkirche gezeigt, erinnerte Volkmar Köhler. Damals hieß sein Frankfurter Kontaktmann im Kulturbüro Frank Droemert. Mittlerweile wirkt dieser im Vorstand des Kunstvereins mit. Ihm zur Seite steht Michael Kurzwelly, der bereits bei der Bundesgartenschau in Heilbronn präsent war und sein grenzüberschreitendes Doppelstadtprojekt „Słubfurt" präsentierte, eine Mischung aus Sozialer Plastik, Realitätskonstruktion und aktiver Flüchtlingshilfe respektive Integrationsarbeit.
„Eine Ausstellung gegen Einsamkeit“, sieht Klaus Rensch in demProjekt. Denn es sei die Grundlage der menschlichen Spezies, Beziehungen zur Umwelt aufzubauen. In der Lebendigkeit der Städtepartnerschaft gebe es zwar „Luft nach oben“, doch verhalte sich derzeit Polen vorbildlich in puncto Völkerverständigung. Anders als 2016, entsandte das Heilbronner Rathaus diesmal keine Rednerin, doch immerhin förderte die Käthchenstadt das Projekt finanziell und ermöglichte damit auch einen zweisprachigen, reich bebilderten Katalog. Die frisch geknüpften Beziehungen vertieften die Künstler bei einem Stadtrundrundgang mit dem umtriebigen Michael Kurzwelly, der es als versierter Zweisprachler und charismatischer Utopist verstand, viele Brücken zu bauen.
Info: Die eintrittsfreie Ausstellung in den Partnerstädten ist bis 8. Juni zu sehen. Naheres unter www.kuenstlerbund-heilbronn.de
Zu entdecken gab es bei der Vernissage sehr Unterschiedliches, schließlich zeigen bei der Doppelausstellung insgesamt 24 Künstlerinnen und Künstler ihre Arbeiten.
